Schwerpunkt Autismus

Herzlich Willkommen im Bereich für Erwachsene
mit Autismus-Spektrum-Störungen!

Angebot für Patienten

In diesem Jahr werden wir uns einem neuen Projekt widmen. Unser vielfältiges Angebot wird um den Schwerpunkt „Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter“ erweitert. Unser Einzel- und Gruppentherapeutisches Konzept richtet sich an erwachsene Patienten (ab dem 18. Lebensjahr), bei denen die gesicherte Diagnose „hochfunktionaler Autismus“ vorliegt. Die Anmeldung für eine Einzeltherapie kann bereits jetzt über die allgemeine vfkv-Ambulanz vereinbart werden.

Gruppentherapie für Erwachsene mit Autismus-Spektrum-Störungen

Autismus-Spektrum-Störungen sind tiefgreifende Entwicklungsstörungen und gehen mit qualitativen Beeinträchtigungen in den Bereichen „soziale Interaktion“, „Kommunikation“ und „stereotypen Verhaltensmustern“ einher. Das Gruppentraining richtet sich an Erwachsene mit einer bereits bestehenden Diagnose einer autistischen Störung auf hohem Funktionsniveau im Sinne eines hochfunktionalen Autismus oder Asperger-Syndroms. Diese diagnostische Gruppe ist durch die autistischen Kernsymptome (siehe oben) sowie eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche intellektuelle Leistungsfähigkeit gekennzeichnet.
Im Mai 2020 ist der Start unserer Gruppentherapie geplant. Bis zu sechs Patienten/innen können an den wöchentlichen Sitzungen teilnehmen. Hier lernen die Teilnehmer/innen nicht nur „Experten für das eigene Störungsbild“ zu werden, sondern auch Methoden zur Stressbewältigung und Entspannungstechniken. Zudem bietet der geschützte Rahmen die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen, das Üben von sozialen Situationen (bspw. Small-Talk) und den Umgang mit Konflikten.

Hier finden Sie den aktuellen Flyer.

Wie können Sie an unserem Gruppentraining teilnehmen?

1) Sie sind volljährig und bei Ihnen liegt bereits eine Diagnose einer autistischen Störung auf hohem Funktionsniveau, im Sinne eines hochfunktionalen Autismus oder Asperger-Syndroms vor.

2) Das Gruppentraining wird in Kombination mit Ihrer Einzeltherapie hier in unserer Ambulanz durchgeführt. Hierzu sprechen Sie Ihren Therapeuten in unserer Ambulanz an oder melden sich direkt im Ambulanzsekretariat.

3) Patienten, die sich außerhalb unserer Ambulanz in ambulanter verhaltenstherapeutischer Einzeltherapie befinden, können sich ebenfalls für eine Gruppentherapie bei uns anmelden. Hier ist es erforderlich, dass Sie sich zunächst zu einem Sprechstundentermin bei uns anmelden.

4) Auch für Selbstzahler besteht die Möglichkeit einer Teilnahme; allerdings ist es auch hier Voraussetzung, dass man sich in einer Einzeltherapie befindet.

Ab jetzt können Sie sich für Erstgespräche zur Teilnahme unseres Gruppentrainings anmelden! Bitte beachten Sie, dass die Teilnehmerzahl auf sechs Personen limitiert ist. Falls im aktuellen Durchlauf kein Platz mehr sein sollte, können Sie sich gerne auf unsere Warteliste setzen lassen.

Ihre Ansprechpartnerin für das Gruppentraining:

Unser Angebot für Behandler

Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter sind in den Lehrplänen der Universitäten und Ausbildungshäuser nur selten zu finden. Das Störungsbild selbst wurde zunächst an Kindern beobachtet und erst Ende des 20. Jahrhundert in die Klassifikationssysteme aufgenommen. Die Therapie, Diagnostik und Forschung im Bereich Autismus ist daher eine junge Disziplin mit einem überschaubaren Expertenpool. Unser Institut möchte mit diesem Projekt die Behandlungsoptionen für Menschen mit hochfunktionalem Autismus bzw. Asperger-Syndrom erweitern und bietet daher im Rahmen des neuen Schwerpunkts Fortbildungsveranstaltungen an. Am 28.11.2019 fand bereits das erste Einführungsseminar „Autismus-Spektrum-Störungen in der psychotherapeutischen Praxis“ statt. Zudem sind weitere Workshops für die Bereiche „Therapie“ und „Diagnostik“ geplant. Die Veranstaltungen richten sich an angehende Therapeuten/innen, bereits approbierte psychologische Psychotherapeuten/innen, Supervisoren/innen und Ärzte/innen. Unser Ziel ist es Behandler für dieses Störungsbild zu schulen und somit eine störungsspezifische, individuelle Versorgung zu ermöglichen.

Kontakt:

Telefon: 089 4524166-50 (Montag bis Donnerstag von 10-12Uhr)
Email: ambulanz@vfkv.de

Ihre Ansprechpartnerin:

FAQ

Was ist Autismus?

Autismus (griechisch „αυτός“ – deutsch „selbst“) ist nach den aktuell gültigen Diagnosekriterien der ICD-10 eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Diese beginnt in den ersten drei Lebensjahren und weißt Beeinträchtigungen in den Bereichen „soziale Interaktion“, „Kommunikation“ und „stereotype, repetitive Verhaltensweisen“ (Kernsymptome) auf. Mittlerweile ist man von der Bezeichnung „Autismus“ auf die Wortnutzung „Autismus-Spektrum-Störungen“ (ASS) übergegangen. Damit soll verdeutlicht werden, dass das Störungsbild in ganz unterschiedlichen Erscheinungsformen auftritt. Während sich auf der einen Seite des Spektrums das Asperger-Syndrom (auch hochfunktionaler Autismus) abbildet, liegt auf der anderen Seite der frühkindliche Autismus, welcher häufig mit erheblichen Behinderungen einhergeht.

Wie äußern sich die Kernsymptome von Autismus-Spektrum-Störungen?

Soziale Interaktion

Bei Menschen mit ASS ist die Fähigkeit, eine Annahme über die Bewusstseinsvorgänge und Gefühle von anderen Personen zu treffen gestört (vgl. Theory of Mind). Während es für „Nicht-Autisten“ intuitiv erkennbar ist, was ein Mensch in einer bestimmten Situation empfindet oder wie eine Person in diesen Situationen dann reagieren könnte, müssen sich Menschen mit ASS diese Situationen „genau anschauen“, um anschließend Annahmen über mögliche Gefühle und Handlungsweisen zu treffen. Dies hat zur Folge, dass Menschen mit ASS bei sozialen Interaktionen häufig von ihrem Gegenüber inhaltlich „abgehängt“ werden, weil sie noch damit beschäftigt sind, Aussagen zu interpretieren oder Gesichtsausdrücke „einzusortieren“. Dies ist auch der Grund, warum Menschen mit ASS im Gespräch häufig den Blickkontakt meiden, oder beispielsweise den Haaransatz ihres Gegenübers fixieren. Blickkontakt wird entweder als „unangenehm“ und/oder „überfordernd“, zumindest aber als zusätzlich zu interpretierende Variable wahrgenommen.

Kommunikation

Die Kommunikation ist oft verbal und nonverbal beeinträchtigt. Beispielsweise fällt es Personen mit ASS teilweise schwer Ironie zu erkennen, oder sie interpretieren Sprichwörter wortwörtlich. Die Schwierigkeiten in der nonverbalen Kommunikation zeigen sich in der Interpretation von Mimik und Gestik des Gegenübers.

Stereotype/repitive Verhaltensweisen

Auf Außenstehende hat diese Symptomatik oftmals eine irritierende Wirkung. Hierzu kann die Beschäftigung mit einem Spezialthema oder das immer gleiche Ausführen von bestimmten Handlungsabläufen zählen. In aller Regel haben diese Verhaltensweisen für Menschen mit ASS eine beruhigende und entspannende Funktion.

Wie kann man Autismus-Spektrum-Störungen diagnostizieren?

Die Diagnostik von ASS bei erwachsenen Menschen ist umfangreich und zeitaufwendig. Unumgänglich ist, dass die oben beschriebenen Kernsymptome schon seit der Kindheit vorhanden sind und bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Dabei ist zu beachten, dass sich die Ausprägungen von Beginn und über die Zeit hinweg von Fall zu Fall unterschiedlich präsentieren können. Es gibt standardisierte Diagnoseverfahren, welche für das Kindesalter validiert wurden; diese können in umgewandelter Form auch bei Erwachsenen angewandt werden. Meist ist eine Fremdanamnese und/oder die Sichtung von Grundschulzeugnissen hilfreich, da die eigenen Erinnerungen an die Kindheit meist verzerrt oder nicht mehr ausreichend erinnerbar sind. Da man bei der Diagnostik sehr akribisch vorgehen und sich viel Zeit für jeden einzelnen Fall nehmen muss, gibt es in Deutschland noch wenige Stellen die dieses Angebot in vollem Umfang anbieten. Personen die sich für eine Diagnostik entscheiden, müssen daher mit erheblichen Wartezeiten rechnen.

Sind ASS „heilbar“?

Nein, Autismus-Spektrum-Störungen sind nicht heilbar.  Jedoch können durch Übung und therapeutische Unterstützung die individuell bestehenden Schwierigkeiten verringert und die vorhandenen Ressourcen gestärkt werden.

Was kann durch eine Therapie erreicht werden?

Eine Psychotherapie kann bei Menschen mit ASS genauso gut, oder weniger wirksam sein wie bei anderen Störungsbildern auch. Der Therapeut muss die speziellen Fähigkeiten des Patienten erkennen und beachten; diese gilt es dann ganz individuell und kleinschrittig mit ihnen zu erarbeiten. Ein wichtiges Behandlungsziel ist es daher, die Patienten über ihr Störungsbild umfassend aufzuklären, so dass sie einerseits lernen ihre damit einhergehenden Grenzen zu akzeptieren und andererseits Möglichkeiten erkennen, ihre Fertigkeiten zu erweitern sowie bereits vorhandene Ressourcen optimal zu nutzen. Um diesen sensiblen Prozess zu ermöglichen, ist eine offene und vertrauensvolle Kommunikation zwischen Patient und Therapeut grundlegend. Auch das Üben von alltäglichen Situationen in der Therapie ist sinnvoll und hilft den Patienten mehr Sicherheit im sozialen Miteinander zu erlangen. Da Menschen mit ASS auch häufig mit negativen Reaktionen konfrontiert werden (z.B. Mobbing), ist ihr Stress- und/oder Angstlevel oft übermäßig hoch. Ebenso können die Betroffenen in der Therapie lernen, ihre diesbezüglichen Frühwarnzeichen zu erkennen und mit individuell ausgesuchten Gegenmaßnahmen (z.B. Meditation, Achtsamkeit, Beschäftigung mit Spezialinteresse) zu regulieren.

Welche Begleiterkrankungen treten am häufigsten auf?

Die häufigsten Komorbiditäten bei ASS sind Depressionen und Anpassungsstörungen (Dziobek und Stoll, 2019). Es wird davon ausgegangen, dass das anhaltende Stresserleben, das Gefühl des „Andersseins“, „Ausgeschlossenseins“ und die tatsächlichen Ausgrenzungs- und Mobbingerlebnisse die Entstehung einer Depression begünstigen (Hedley und Young, 2006). Des Weiteren können bei ASS häufiger Angst- und Zwangsstörungen komorbid auftreten. Auch diese Folgeprobleme können durch Psychotherapie abgemildert oder behoben werden.

Was sind die Ursachen von ASS?

Trotz vermehrter Forschung in diesem Bereich gibt es bislang kein umfassendes Erklärungsmodell, das die Entstehungsursachen von autistischen Störungen belegen kann. Aktuell geht man von einem multifaktoriellen Entstehungsmodell aus; was bedeutet, dass mehrere Ursachen für die Entstehung von Autismus-Spektrum-Störungen verantwortlich sein können.