Projekt Hochfunktionaler Autismus

Herzlich Willkommen im Bereich für Erwachsene
mit Hochfunktionalem Autismus!

Angebot für Patient:innen

Seit 2019 haben wir unser vielfältiges Angebot um das Projekt „Hochfunktionaler Ausimus im Erwachsenenalter“ erweitert. Unser Kombinationsangebot aus Einzel- und Gruppentherapeutie richtet sich an erwachsene Patient:innen (ab dem 18. Lebensjahr), bei denen die gesicherte Diagnose „hochfunktionaler Autismus“ vorliegt und Probleme der sozialen Interaktion im Vordergrund stehen. Um prüfen zu können, ob unser Angebot für Sie in Frage kommt, vereinbaren Sie gerne eine Orientierungssprechstunde über die Institutsambulanz .

Gruppentherapie für Erwachsene mit Hochfunktionalem Autismus

Autismus-Spektrum-Störungen sind tiefgreifende Entwicklungsstörungen und gehen mit qualitativen Beeinträchtigungen in den Bereichen „soziale Interaktion“, „Kommunikation“ und „stereotypen Verhaltensmustern“ einher. Das Gruppentraining richtet sich an Erwachsene mit einer bereits bestehenden Diagnose einer autistischen Störung auf hohem Funktionsniveau im Sinne eines hochfunktionalen Autismus oder Asperger-Syndroms. Diese diagnostische Gruppe ist durch die autistischen Kernsymptome (siehe oben) sowie eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche intellektuelle Leistungsfähigkeit gekennzeichnet.
Bis zu sechs Patienten:innen können an den wöchentlichen Sitzungen des Gruppenprogramms mit insgesamt 15 Einheiten à 90 Min. teilnehmen. Hier lernen die Teilnehmer:innen nicht nur „Expert:innen für das eigene Störungsbild“ zu werden, sondern auch Methoden zur Stressbewältigung und Entspannungstechniken. Zudem bietet der geschützte Rahmen die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen, das Üben von sozialen Situationen (bspw. Small-Talk) und den Umgang mit Konflikten.

Hier finden Sie den aktuellen Flyer.

Welche Voraussetzungen müssen für die Teilnahme an unserem Gruppenprogramm erfüllt sein?

1) Sie sind volljährig und bei Ihnen liegt bereits eine gesicherte Diagnose eines hochfunktionalen Autismus oder Asperger-Syndroms vor.

2) Sie befinden sich bereits am vfkv oder bei einem:r externen Therapeut:in in ambulanter verhaltenstherapeutischer Einzeltherapie.

3) In einem persönlichen Vorgespräch wurden die individuellen Voraussetzungen zur Teilnahme am Gruppenprogramm überprüft.

Auch Selbstzahler:innen können am Gruppenprogramm teilnehmen; auch hier besteht die Voraussetzung einer begleitenden verhaltenstherapeutischen Einzeltherapie.

Ab jetzt können Sie sich für Erstgespräche zur Teilnahme unseres Gruppentrainings anmelden! Bitte beachten Sie, dass die Teilnehmerzahl auf sechs Personen limitiert ist. Falls im aktuellen Durchlauf kein Platz mehr sein sollte, können Sie sich gerne auf unsere Warteliste setzen lassen.

Ihre Ansprechpartnerin für das Gruppentraining:

Unser Angebot für Behandler:innen

Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter sind in den Lehrplänen der Universitäten und Ausbildungshäuser nur selten zu finden. Das Störungsbild selbst wurde zunächst an Kindern beobachtet und erst Ende des 20. Jahrhundert in die Klassifikationssysteme aufgenommen. Die Therapie, Diagnostik und Forschung im Bereich Autismus ist daher eine junge Disziplin mit einem überschaubaren Expert:innenpool. Unser Institut möchte mit diesem Projekt die Behandlungsoptionen für Menschen mit hochfunktionalem Autismus bzw. Asperger-Syndrom erweitern und bietet daher seit 2019 regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen zur Diagnostik und Therapie der Autismus-Spektrum-Störungen an. Die Veranstaltungen richten sich an angehende Therapeuten:innen, bereits approbierte psychologische Psychotherapeut:innen, Supervisor:innen und Ärzt:innen. Unser Ziel ist es, Behandler:innen für dieses Störungsbild zu schulen und somit eine störungsspezifische, individuelle Versorgung zu ermöglichen.

Eine Übersicht zu den Fortbildungsveranstaltungen finden Sie hier

Kontakt:

Telefon: 089 4524166-50 (Montag bis Donnerstag von 10-12Uhr)
Email: ambulanz@vfkv.de

Ihre Ansprechpartnerin:

FAQ

Autismus (griechisch „αυτός“ – deutsch „selbst“) ist nach den aktuell gültigen Diagnosekriterien der ICD-10 eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Diese beginnt in den ersten drei Lebensjahren und weißt Beeinträchtigungen in den Bereichen „soziale Interaktion“, „Kommunikation“ und „stereotype, repetitive Verhaltensweisen“ (Kernsymptome) auf. Mittlerweile ist man von der Bezeichnung „Autismus“ auf die Wortnutzung „Autismus-Spektrum-Störungen“ (ASS) übergegangen. Damit soll verdeutlicht werden, dass das Störungsbild in ganz unterschiedlichen Erscheinungsformen auftritt. Während sich auf der einen Seite des Spektrums das Asperger-Syndrom (auch hochfunktionaler Autismus) abbildet, liegt auf der anderen Seite der frühkindliche Autismus, welcher häufig mit erheblichen Behinderungen einhergeht.

Soziale Interaktion

Bei Menschen mit ASS ist die Fähigkeit, eine Annahme über die Bewusstseinsvorgänge und Gefühle von anderen Personen zu treffen gestört (vgl. Theory of Mind). Während es für „Nicht-Autisten“ intuitiv erkennbar ist, was ein Mensch in einer bestimmten Situation empfindet oder wie eine Person in diesen Situationen dann reagieren könnte, müssen sich Menschen mit ASS diese Situationen „genau anschauen“, um anschließend Annahmen über mögliche Gefühle und Handlungsweisen zu treffen. Dies hat zur Folge, dass Menschen mit ASS bei sozialen Interaktionen häufig von ihrem Gegenüber inhaltlich „abgehängt“ werden, weil sie noch damit beschäftigt sind, Aussagen zu interpretieren oder Gesichtsausdrücke „einzusortieren“. Dies ist auch der Grund, warum Menschen mit ASS im Gespräch häufig den Blickkontakt meiden, oder beispielsweise den Haaransatz ihres Gegenübers fixieren. Blickkontakt wird entweder als „unangenehm“ und/oder „überfordernd“, zumindest aber als zusätzlich zu interpretierende Variable wahrgenommen.

Kommunikation

Die Kommunikation ist oft verbal und nonverbal beeinträchtigt. Beispielsweise fällt es Personen mit ASS teilweise schwer Ironie zu erkennen, oder sie interpretieren Sprichwörter wortwörtlich. Die Schwierigkeiten in der nonverbalen Kommunikation zeigen sich in der Interpretation von Mimik und Gestik des Gegenübers.

Stereotype/repitive Verhaltensweisen

Auf Außenstehende hat diese Symptomatik oftmals eine irritierende Wirkung. Hierzu kann die Beschäftigung mit einem Spezialthema oder das immer gleiche Ausführen von bestimmten Handlungsabläufen zählen. In aller Regel haben diese Verhaltensweisen für Menschen mit ASS eine beruhigende und entspannende Funktion.

Die Diagnostik von ASS bei erwachsenen Menschen ist umfangreich und zeitaufwendig. Unumgänglich ist, dass die oben beschriebenen Kernsymptome schon seit der Kindheit vorhanden sind und bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Dabei ist zu beachten, dass sich die Ausprägungen von Beginn und über die Zeit hinweg von Fall zu Fall unterschiedlich präsentieren können. Es gibt standardisierte Diagnoseverfahren, welche für das Kindesalter validiert wurden; diese können in umgewandelter Form auch bei Erwachsenen angewandt werden. Meist ist eine Fremdanamnese und/oder die Sichtung von Grundschulzeugnissen hilfreich, da die eigenen Erinnerungen an die Kindheit meist verzerrt oder nicht mehr ausreichend erinnerbar sind. Da man bei der Diagnostik sehr akribisch vorgehen und sich viel Zeit für jeden einzelnen Fall nehmen muss, gibt es in Deutschland noch wenige Stellen die dieses Angebot in vollem Umfang anbieten. Personen die sich für eine Diagnostik entscheiden, müssen daher mit erheblichen Wartezeiten rechnen.

Nein, Autismus-Spektrum-Störungen sind nicht heilbar.  Jedoch können durch Übung und therapeutische Unterstützung die individuell bestehenden Schwierigkeiten verringert und die vorhandenen Ressourcen gestärkt werden.

Eine Psychotherapie kann bei Menschen mit ASS genauso gut, oder weniger wirksam sein wie bei anderen Störungsbildern auch. Der Therapeut muss die speziellen Fähigkeiten des Patienten erkennen und beachten; diese gilt es dann ganz individuell und kleinschrittig mit ihnen zu erarbeiten. Ein wichtiges Behandlungsziel ist es daher, die Patienten über ihr Störungsbild umfassend aufzuklären, so dass sie einerseits lernen ihre damit einhergehenden Grenzen zu akzeptieren und andererseits Möglichkeiten erkennen, ihre Fertigkeiten zu erweitern sowie bereits vorhandene Ressourcen optimal zu nutzen. Um diesen sensiblen Prozess zu ermöglichen, ist eine offene und vertrauensvolle Kommunikation zwischen Patient und Therapeut grundlegend. Auch das Üben von alltäglichen Situationen in der Therapie ist sinnvoll und hilft den Patienten mehr Sicherheit im sozialen Miteinander zu erlangen. Da Menschen mit ASS auch häufig mit negativen Reaktionen konfrontiert werden (z.B. Mobbing), ist ihr Stress- und/oder Angstlevel oft übermäßig hoch. Ebenso können die Betroffenen in der Therapie lernen, ihre diesbezüglichen Frühwarnzeichen zu erkennen und mit individuell ausgesuchten Gegenmaßnahmen (z.B. Meditation, Achtsamkeit, Beschäftigung mit Spezialinteresse) zu regulieren.

Die häufigsten Komorbiditäten bei ASS sind Depressionen und Anpassungsstörungen (Dziobek und Stoll, 2019). Es wird davon ausgegangen, dass das anhaltende Stresserleben, das Gefühl des „Andersseins“, „Ausgeschlossenseins“ und die tatsächlichen Ausgrenzungs- und Mobbingerlebnisse die Entstehung einer Depression begünstigen (Hedley und Young, 2006). Des Weiteren können bei ASS häufiger Angst- und Zwangsstörungen komorbid auftreten. Auch diese Folgeprobleme können durch Psychotherapie abgemildert oder behoben werden.

Trotz vermehrter Forschung in diesem Bereich gibt es bislang kein umfassendes Erklärungsmodell, das die Entstehungsursachen von autistischen Störungen belegen kann. Aktuell geht man von einem multifaktoriellen Entstehungsmodell aus; was bedeutet, dass mehrere Ursachen für die Entstehung von Autismus-Spektrum-Störungen verantwortlich sein können.